Nach Brexit: Berlin gewinnt mit 1.000 neuen Startup Stellen

Brexit führt zu neuen Jobs in Berlin
Brexit führt zu neuen Jobs in der Startup Szene in Berlin

Jetzt, da sich die ersten Wogen nach dem Britischen ‘Aus’ ein wenig gelegt haben und Politiker, Unternehmer und die vielen betroffenen Arbeitnehmer sich um die Konsequenzen Gedanken machen, jetzt stellt sich vielerorts die Frage nach den Gewinnern des Brexit.

Erst kürzlich haben wir über das erfolgreiche Überholen Berlins (gegenüber London) in Sachen Venture Investments berichtet.

Arbeitsmarkteffekte des Brexit für Berlin

Diese Woche wagt die Metajobsuchmaschine Joblift einen Blick in die Glaskugel und untersuchte die Auswirkungen des britischen EU-Austritts auf den Arbeitsmarkt der Startup Branche in der deutschen Hauptstadt. So könnte dieser bereits im kommenden Jahr einen Anstieg von mehr als 1.000 Stellen verzeichnen. Auch die Nachfrage nach Arbeit könnte stark ansteigen: Seit dem Brexit ist das britische Suchinteresse an einem Job in Berlin bereits um 185 % gestiegen.

Europäische Fonds wenden sich ab von London

Die Berliner Startup Branche könnte besonders stark vom Brexit profitieren. London gilt bislang als bedeutendes europäisches Gründerzentrum, vor allem im Finanzdienstleistungsbereich (FinTech). Aktuell profitieren Londoner FinTech-Startups vom sogenannten Passporting, welches mittels einer in Großbritannien erworbenen Lizenz das Anbieten von Dienstleistungen in der gesamten EU ermöglicht. Daneben stellt die EU-weite Arbeitnehmerfreizügigkeit einen wesentlichen Erfolgsfaktor für oftmals international agierende Startups dar. Nach dem EU- Referendum wird die britische Gründerszene diese wertvollen Privilegien zu großen Teilen einbüßen. Aufkommende Zölle werden die schnelle Expansion ins europäische Ausland zusätzlich erschweren. Hinzu kommt, dass der European Investment Fund an vielen europäischen Venture Capital Firmen beteiligt ist. Dieser sieht vor, nur rund ein Drittel der Investitionen in Nicht-EU-Mitgliedsstaaten zu tätigen. Die bekanntesten europäischen Fonds könnten somit kaum mehr in Großbritannien investieren und würden ihre Fördermittel verstärkt auf die ebenso sehr bedeutende Gründermetropole Berlin richten.

Der Brexit Effekt kalkuliert
Der Brexit Effekt kalkuliert: Quelle Joblift

Berlin gewinnt als deutsches Gründerzentrum damit international stark an Bedeutung, was sich im Wesentlichen auf die Entwicklung des Arbeitsmarkts auswirken wird. Aktuell sind bereits 43 % aller auf Joblift ausgeschriebenen deutschen Startupjobs in Berlin angesiedelt, im FinTech-Bereich sind es sogar 71 %. Geht man davon aus, dass 5 % der Startups zukünftig in Berlin statt in London gegründet werden, wären das bereits rund 9.807 Firmen pro Jahr – die Zahl der Startup-Gründungen in der englischen Hauptstadt betrug laut der staatlichen Kampagne StartupBritain 196.146 im Jahr 2015. Sollten wiederum 1 % der etablierten Startups nach Berlin umsiedeln, so kämen noch einmal rund 43 Startups hinzu (der 2015 Global Startup Ecosystem Ranking von Compass schätzte die Anzahl der Startups in London auf 3.200 bis 5.400).

Die ersten Startups sind schon da

Laut der Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner haben unmittelbar nach dem Brexit fünf Londoner Startups die Verlagerung Ihres Standorts nach Berlin beantragt. Die Startup Branche der deutschen Hauptstadt hat im vergangenen Jahr insgesamt 22.623 Stellen auf Joblift ausgeschrieben, jedes Jungunternehmen dabei durchschnittlich 0,1 Stellen. Überträgt man diese Quote auf die durch den Brexit womöglich neu hinzukommenden Startups, könnten diese allein anhand dieser Kalkulation im nächsten Jahr 985 neue Stellen in der deutschen Hauptstadt schaffen.

Wir werden weiter berichten, eine schöne Woche wünscht

Michael Brecht

 

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Ich arbeite als Partner der InnovationFactory in Bayern an der Vernetzung digitaler Player vom Startup bis zum Großunternehmen. Mein besonderes Interesse gehört der eMobilität, denn ich bin von der Entwicklung marktgerechter Elektroautos fasziniert.