Carsharing in Stuttgart

Sharing Modelle für unsere zukünftige Mobilität

Früher war Mobilität viel einfacher. Unsere Mütter haben uns von der Schule, dem Fußballclub oder unseren Wochenendaktivitäten abgeholt. Dabei wurden dann die diversen Freunde oder Freundinnen direkt mitgenommen. Carsharing hieß damals ‚Fahren mit Mutti’. Und wer seinen persönlichen Radius vergrößern wollte, der hielt den Daumen an der Landstraße raus und trampte zu seinem Zielort. So etwas heißt heute auf ‚neudeutsch’ ‚Ridesharing’.

Auch die Fachleute sind sich einig. Den wirklich großen Sprung in der Entwicklung werden wir erst durch das autonome Fahren hinbekommen. Unsere Pendelzeit wird dann effektiv genutzt, auch wenn es dieses autonome Fahren natürlich auch schon lange gibt. So heißen die großen Vertreter im autonomen Fahren und Sharing seit Jahren Bus und Bahn. So einfach ist das.

Ride- und Carsharing vereinfachen die Reise

Ich gebe ja zu, carsharing, ridesharing oder autonomes Fahren klingen nicht nur spannender, sondern weisen ein paar digitale Eigenschaften auf, die es dem Nutzer deutlich leichter machen von A nach B zu kommen. Ohne Apps kein DriveNow oder Car2Go. Nur mit Hilfe eines Smartphones lassen sich die Taxen oder UBER Fahrer zielgenau bestellen. Ganz ohne Technologie also kein modernes Sharing.

Fokus der Hersteller dieser Technologien sind die Städter. Nur hier ist das Verkehrsaufkommen so groß, dass die Services auch effizient genug angeboten werden können. Der Übernachtungs-Sharing-Gigant airbnb klärte vor kurzem auf, dass der durchschnittlich zu erzielende Umsatz pro Buchung das entscheidende Kriterium auf dem Weg zur Profitabilität sei. Bei airbnb sind das scheinbar derzeit ca. 100€ pro Nacht. Das ist eine Bongröße, die sich nicht so einfach auf andere Geschäftsmodelle übertragen lässt.

Nicht alle Sharing Lösungen können nachhaltig funktionieren

Beim Parkplatz-Sharing hat das zum Beispiel nicht funktioniert. Der Münchener Anbieter Parkpocket hat das schmerzhaft erkennen müssen. Er hat sein Geschäftsmodell daraufhin auf Big Data Lösungen für Business Kunden abgeändert. Das ist durchaus normal für ein Startup, denn Flexibilität in der Findung des richtigen Erlösmodells ist ein Schlüssel zum Erfolg.

Carsharing hilft der Elektromobilität

Doch wie weit ist der Kunde bereit, beim Carsharing zu gehen? Der Erfolg der beiden großen Anbieter DriveNow (BMW und Sixt) und Car2Go (Daimler) zeigt sich in den Großstädten. Hier werden gemäß einer Studie von Car2Go bis zu elf private Autos von den flexiblen Wagen der Sharing-Flotten ersetzt. Weniger CO2 Ausstoß, mehr Parkplätze und eben für den Kunden kein Invest in den eigenen Kraftwagen sind die positiven Begleitumstände.

Den richtigen Kick bringt der Einsatz von Elektroautos in den Flotten. Im Schnitt kommen derzeit in deutschen Städten zwischen 10% und 20% der Wagen der Carsharing Anbieter mit Strom voran, je nach Standort. In Kopenhagen sind es bei DriveNow gar 100%. Allerdings wäre eine Genehmigung für eine herkömmliche Fahrzeugflotte mit Benzinern und Diesel-Kraftfahrzeugen dort gar nicht erst möglich gewesen. Konsequent sind sie diese Skandinavier.

Und was passiert auf dem Land?

Wenn denn also Carsharing der beste Weg ist, um Elektroautos in die Stadt zu bringen, was bleibt dann für die schrumpfende Anzahl an Landbevölkerung? Genau hier wäre der Bedarf an flexiblen Carsharing Lösungen doch noch größer. Und warum muss ich in kleineren Städten wie Göppingen oder Donauwörth zu einem stationären Vermieter und gerade für Kurzstrecken solch exorbitante Beträge zahlen, während ich in München oder Stuttgart auf die Minute genau abrechnen kann?

Vielleicht liegt die Lösung im autonomen Fahren. Zuvor bestellte autonome Taxen holen auf optimierten Routen die vernachlässigten Landbewohner ab und spucken sie zur Arbeit in den Städten aus. Hier wären immerhin die Straßen nicht so verstopft und gefährliche Hindernisse in geringerer Stückzahl je gefahrenen Kilometer im Weg.

Bliebe noch die Möglichkeit, sein eigenes Auto für das Carsharing frei zu geben. Morgens mit dem eigenen Wagen ins Büro und dann hurtig dem Sharing freigegeben.

Ich bin sehr skeptisch, ob das in Europa wirklich ein Erfolgsmodell werden kann. Zu verliebt sind wir in unseren eigenen Wagen. Probleme mit potentiellen Schäden, der Sicherheit oder beim Timing drohen. Leider haben ja die meisten Arbeitnehmer gerade tagsüber keine Verwendung ihres Fahrzeugs. Da wäre der Wagen dann fürs Carsharing zwar buchbar. Aber Abends wollen alle fast zeitgleich wieder nach Hause. Und was mache ich mit den Kindersitzen in meinem Auto und was ist, wenn ich mein Mobiltelefon im Handschuhfach vergessen habe. Für mich klingt das alles zu kompliziert.

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admin

Ich arbeite als Partner der InnovationFactory in Bayern an der Vernetzung digitaler Player vom Startup bis zum Großunternehmen. Mein besonderes Interesse gehört der eMobilität, denn ich bin von der Entwicklung marktgerechter Elektroautos fasziniert.