Streetscooter im Einsatz

Oh du fröhliche Paketzustellung – die Logistikbranche braucht Innovationen  

Paketdienste fürchten sich vor der Weihnachtszeit: 30 Millionen mehr Pakete werden erwartet. Die Logistikbranche wird auf eine Probe gestellt!

Zur Weihnachtszeit werden an Spitzentagen bis zu 15 Millionen Pakete pro Tag zugestellt. Das sind 50% mehr als an einem durchschnittlichen Zustelltag. Viele Paketdienste stellen Saisonkräfte ein und mieten zusätzliche Fahrzeuge an. Aber das reicht meist dennoch nicht aus. Zum ersten Mal kündigten Unternehmen an, sich auf ein Maximum an auszuliefernden Warensendungen zu beschränken. Sie möchten also nur das zusagen, was sie auch tatsächlich bewältigen können, und ersparen sich damit den Ärger von Paketkunden. Online-Besteller jedoch fürchten, dass sie ihre bestellten Pakete nicht erhalten werden.

Passend dazu kündigte der Online-Einzelhändler Amazon den Start seines Lieferservice Amazon Flex in Deutschland an. Dabei werden Privatleute zu Paketboten. Zusteller kann jeder sein, der ein Smartphone, einen Führerschein und ein eigenes Auto hat. Amazon wirbt auf seiner Webseite intensiv um Kuriere, erst einmal nur in Berlin. Es heißt, die ersten Flex-Fahrer seien in den letzten Wochen schon in der Stadt unterwegs gewesen. In den USA, Seattle, wurde der Dienst bereits im September 2015 eingeführt, anschließenden in Großbritannien und Singapur, und sich hier bereits ein großes Fahrernetz aufgebaut.

Damit macht sich Amazon unabhängig von Paketzustellern wie Hermes, DHL und Co und verbessert Zustellraten – nicht nur zu Weihnachtszeit, auch im Rest des Jahres. Ein weiter Anreiz für Amazon: Die Kosten. Die Zustellung auf der sogenannten letzten Meile macht 30% aller logistischen Kosten aus. Mit freiberuflichen Flex-Fahrern kann Amazon deutlich Kosten einsparen.

Uber startete seinen Lieferservice UberRush bereits ein halbes Jahr früher, im April 2015 in New York. Damit hat die Ridesharing-App einfach sein erfolgreiches Geschäftsmodell auf den Paketmarkt übertragen. Bei UberRush werden ebenfalls Pakete mit privaten Fahrer ausgeliefert. Einziger Unterschied: Während Flex-Fahrer bislang nur Amazon-Pakete ausliefern, liefert UberRush bereits Pakete von allerlei Drittanbietern. Es bleibt offen, wann dieser Service auch nach Deutschland kommt.

Aber nicht nur die Paketzustellung auf der letzten Meile sind für Online-Einzelhändler Amazon und Taxi-App Uber ein interessanter Bereich. Der Güterverkehr ist durch Fragmentierung enorm ineffizient und auch bei der See- und Luftfracht gibt es (bislang) kaum digitale Lösungen. Mehr dazu, wie Amazon und Uber die Logistikbranche aufmischen, zeigt diese Infografik. Wer weiß: Vielleicht kommt nächstes Jahr das Weihnachtsgeschenk mit einem Flex- oder UberRush-Fahrer? Oder wir müssen es selber aus dem selbstfahrenden Auto vor der Haustür nehmen?

Logistikbranche
Logistikbranche im Aufbruch.

 

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Ich arbeite als Partner der InnovationFactory in Bayern an der Vernetzung digitaler Player vom Startup bis zum Großunternehmen. Mein besonderes Interesse gehört der eMobilität, denn ich bin von der Entwicklung marktgerechter Elektroautos fasziniert.