Deutschlands größter Mobility Event – die IAA – zieht nach München

Es ist für München ein Riesengewinn – die bislang in Frankfurt beheimatete Internationale Automobil Ausstellung IAA wird nach München vergeben. Die Messe München setzte sich mit ihrer Bewerbung gegen die Städte Hamburg und Berlin durch.

Da ich ja in dieser Mobility Szene den Großteil meines Tages verbringe und privat zwischen Oberbayern und Augsburg quasi um München herum iteriere, möchte ich dazu ein paar Gedanken festhalten. Einen ausführlichen Bericht habe ich auf dem eMobilitätBlog dazu geschrieben: VDA wählt München als neuen Standort für die IAA.

Was spricht für München als neuen Standort der IAA:

  • München ist eine gute Wahl in Sachen Anbindung. Sowohl Berlin als auch Hamburg sind mangels größerer Airports international schwerer zu erreichen, München verfügt über eine gute Autobahnanbindung zur Messe in Riem und die U-Bahn hält an zwei verschiedenen Messestationen in direkter Verbindung zum Münchener Hauptbahnhof.
  • München ist Heimat vieler großer Unternehmen aus der Tech-Szene: Amazon, Microsoft, Google und gleichzeitig Sitz vieler B2B Mobility Startups. Blickfeld, Lilium, Flixbus, Sono Motors oder Volocopter mit seiner Transport-Drohne, alles Jungunternehmen, die auf der zukünftigen IAA in München eine verstärkte Rolle spielen werden.
  • Das Münchener Umland beherbergt viele große OEMs und Zulieferer, wie etwa Audi, BMW, MAN, Faurecia, Sortimo oder auch die Jungstars Nikola wie Motors aus Ulm.
  • München kann frische Messen organisieren, die Bits & Pretzels etwa ist der größte Startup Event Europas, gegründet und gemacht von drei Münchnern und erst wenige Jahre alt.
  • München steht für moderne Mobility Unternehmen, die Stadt selbst arbeitet, wie andere bayerische Städte (Augsburg, Erlangen, Ingolstadt) auch aktiv an der Transformation zu einer umweltgerechten Urbanen Mobilität.

Doch: München steht unter verschärfter Beobachtung

Denn München ist als Stadt selbst heute nicht wirklich ein Vorbild in Sachen moderner Mobilität. Trotz S-Bahn (dank der Olympiade 1972) und modernstem Flughafen (im Erdinger Moos) zählt München mit seinen 131 Stau-Stunden im Jahr (hier 2019) zu den Schlusslichtern der Top 30 Städte in Deutschland. Autofahren in München macht keinen Spaß, die Parkplatzsuche ist uferlos, erst nach und nach kommen die Fahrradfahrer zu ihrem Recht.

München muss also selbst beweisen, dass es als Metropole auf moderne urbane Mobilität setzen will. Dabei geht es weniger darum, hier und da eine Fahrradspur zu eröffnen oder einen weiteren E-Scooter Sharing Anbieter in die Stadt zu lassen. Eine Smart City, die diesen Namen auch verdient, die muss ganzheitlich und mit großer Durchhaltekraft Veränderungen bei Autofahrern durchsetzen. Die individuelle Mobilität im eigenen SUV ist so etwas von gestern, heute zählen sinnvolle, sich ergänzende Mobilitätsangebote in der Stadt.

Ich freue mich, dass München als würdiger Ausrichter der ‘neuen IAA’ quasi in meiner ‘Einflugschneise’ liegt. Als Mobilitätsberater werde ich die Fortschritte der Stadt München selbst genauestens verfolgen. Darin eingeschlossen sind die im weitesten Sinne als ‘Münchener Vorstädte’ zu bezeichnenden Augsburg, Ingolstadt oder auch Starnberg. Deren Stadtobere hören das zwar nicht gerne, aber in Sachen Mobilitätskonzepte im Metropolraum München gilt es diese Städte mitzunehmen.

Es bleibt viel zu tun!