Jakob Muus vom Logistik Startup Tracks mit seinen Vorhersagen für Transport- und Logistik

Im Rahmen unserer Serie zum Jahreswechsel treffen wir heute auf Jakob Muus, CEO und Gründer des Logistik Startups Tracks. Das Jungunternehmen aus Berlin verwendet künstliche Intelligenz, um eine der heute größten Unsicherheiten des Straßengüterverkehrs vorherzusagen – den Kraftstoffverbrauch von Lkw. Diese sogenannten prädiktiven Kraftstoffanalysen ermöglichen es Flottenbetreibern deren Flottendaten für strategische Entscheidungen zum Kraftstoffmanagement, zur Preissetzung und zu Investitionsmaßnahmen zur Kraftstoffeinsparung zu verwenden.

Jakob, vielen Dank für deinen Beitrag mit deinen Einschätzungen zu Klimawende und der “Digitalization der Transport- und Logistikbranche” – Bühne frei:

Der Unterschied von „Digitization“ und „Digitalization“

Im englischen gibt es einen klaren Unterschied zwischen den zwei Begriffen „Digitization“ und „Digitalization“. Während der erste Begriff die Umwandlung von analog zu digital beschreibt, bezeichnet den zweiten die Nutzung digitaler Technologien und digitalisierte Daten, um die Art von Arbeiten und Umgang mit Kunden zu verändern.

Im Vergleich zur restlichen Mobilitätsbranche ist die „Digitization“ in der Straßengüterverkehrsbranche etwas früh passiert. Schon vor 19 Jahren wurden Telematik-Systeme eingeführt und viele Prozesse wurden digitalisiert. Die Prozesse haben sich jedoch seitdem kaum verändert und nur sehr selten haben wir ernsthafte „Digitalization“-Ansätze, wie zum Beispiel durch Startups wie Sennder, Cargonexx und InstaFreight, gesehen.

Die Gründung von Tracks mit einer klaren Mission

Im Januar 2018 habe ich die Tracks GmbH gegründet, um durch Maschinelles Lernen operational Excellence im Straßengüterverkehr einfacher zu machen. Kurz nach der Gründung wurde mir von wohlmeinenden Branchenexperten erzählt, dass das Thema Treibstoffeffizienz tot ist und, dass es sowieso nicht in die bestehenden Prozesse passen wird. Mit anderem Worten: obwohl sämtliche Stakeholder in der Branche sich über gesenkten Treibstoffverbrauch, -emissionen und kosten freuen würden, ist es zu unwichtig, um tatsächliche Prozessänderungen vorzunehmen.

Das Jahr 2019 – eine Klimawende für die Transportbranche

In dieser Hinsicht kam im Jahr 2019 eine für die Branche überraschende Wende. Mit der Fridays-for-Future-Bewegung ist eine ganz neue Aufmerksamkeit von Politikern und vor allem von multinationalen Unternehmen auf CO2 und Emissions-Effizienz entstanden. Was als eine kleine Bewegung von gut-ausgebildeten, westlichen, wohlhabenden jungen Leuten anfing, hat in 2019 ihre Ideen zum klimafreundlichen Verbrauch (weniger fliegen, weniger Fleisch essen und das Vermeiden von Fast-Fashion) in die breitere Bevölkerung verbreitet.

Nicht nur die Fluggesellschaften, die Lebensmittelindustrie und die Textilindustrie haben diese Änderungen wahrnehmen können; die ganze Branche – Verlader, Transportunternehmen, Spediteure, Hersteller, usw. – fingen an, sich zu erkunden wie sie die CO2-Effizienz in der ganzen Produktions- und Transportkette optimieren können.

Das Jahr 2020 wird aus meiner Sicht das entscheidende Klimajahr

Auch im Jahr 2020 wird dieser Fokus auf Energieeffizienz in dem Straßengüterverkehr zunehmen. Unternehmen in allen Größen und Arten müssen Zeit und Geld investieren, um neue Lösungen zu finden, um den CO2-Ausstoß zu managen und minimieren.

Dies wird nur gelingen durch eine Zusammenarbeit mit Startups und NGOs, die das schnelle und risikominimierte Testen von verschiedenen Lösungsansätzen, die zur Erreichung ihrer Ziele eingesetzt werden können, bieten. Dies wird aus meiner Sicht aber auch bedeuten, dass die Unternehmen den derzeitigen sequenziellen Ansatz für Innovation und F&E beiseite legen müssen, um zeitgleich mehrere kleine Projekte iterativ betreiben zu können und daher kontrolliert scheitern zu können.

Für das Jahr 2020 wünsche ich mir, dass die „Digitalization“ der Transport- und Logistikbranche sich so fortsetzt, wie sie im Jahr 2019 angefangen hat und, dass der europäischen Straßengüterverkehr dadurch sauberer, sicherer, effizienter und fairer wird.